Mittwoch, 10. November 2010

wendepunkte.

betrachtet der gemeine anhänger des sportvereins von 1898 die jüngere, beinahe schon mittelalte geschichte seines vereins, dann sitzt ihm bisweilen ein großer kloß im hals. mittlerweile 22 jahre dauert nun der schmerzhafte fall des vereins. 



angefangen mit dem verlorenen vergleich mit waldhof mannheim in der relegation zur bundesliga 1987/88 zieht sich der beispiellose niedergang des vereines nun über zwei dekaden hin. ja, so wissen viele lilienanhänger: der verschossene elfmeter von karl-heinz emig war der große wendepunkt in der geschichte des vereins. 


hätte er getroffen... ja hätte er... der sv98 wäre in die bundesliga aufgestiegen. doch emig traf nicht und so mussten knapp 8.000 mitgereiste lilienfans mitansehen, wie zum schluss die waldhöfer im ludwigspark jubelten. in der folgesaison wurde der sv98 nur noch 11. der 2. bundesliga, noch ein jahr später sicherte man durch ein 0:0 beim späteren aufsteiger wattenscheid 09 als 16. gerade noch den klasserhalt, 1990/91 verhinderte nur noch der zwangsabstieg von rot-weiß essen den sicheren fall in die niederungen des amateurfußballs. dort, im amateurfußball, sind die 98er 20 jahre später inzwischen festes inventar geworden - meist im hinteren tabellendrittel festbetoniert, kämpfte der sv98 bis zuletzt ums sportliche, wie finanzielle überleben. 


doch es tut sich was am böllenfalltor! die mannschaft spielt in der liga eine beachtlich gute rolle, kratzt noch leise, in ein paar wochen vielleicht auch schon kräftiger(?!) am tor zur 3. liga. aufbruchstimmung macht sich breit. der verein ist zwar noch weit entfernt davon an vergangene zuschauerscharen anzuknüpfen, doch ist er nicht mehr gewillt sich fügsam seinem schicksal zu ergeben.

30 Jahre her und nicht minder aktuell!
es ist also eine gute zeit für einen positiven wendepunkt! der verein kämpft um jeden zuschauer, versucht mit sonderaktionen das schlummernde potential an den spieltagen ins stadion zu locken. man kann nur hoffen, dass viele heiner dabei sein wollen, wenn der verein am samstag gegen worms vielleicht einen weiteren schritt vorwärts in die vergangenheit geht.

Freitag, 5. November 2010

machete.

fäustchen hatte lange auf diesen tag gewartet. gestern war es endlich soweit. "machete" startete in den deutschen filmspielhäusern - und fäustchen wurde nicht enttäuscht. machete, genauso wie fäustchen nach seiner gefürchtetsten waffe benannt, mexikanischer ex-bulle, jetzt illegal in den USA, tritt seinen blutigen rachefeldzug gegen drogenbarone, ultra-rechte politiker und milititante rassisten an. unterstützt wird er dabei von allerhand wunderschöner frauen (jessica alba, michelle rodriguez und schlussendlich auch lindsey lohan), deren herzen und schenkel machete in kürzester zeit zum beben bringt. "machete" ist also der erwartete b-movie mit hunderten von toten, berstenden explosionen und überdrehten machtfantasien.


robert rodriguez, der sich bereits mit desperado, from dusk till dawn, sin city und planet terror ein filmisches denkmal gesetzt hat, spart einmal mehr nicht an blut, sex und miesen witzen. das gefällt - teilt aber auch gleichzeitig die kinokritik. dabei ist allein die entstehungsgeschichte von "machete" schon fast kultig. zunächst als faketrailer für rodriguez' und quentin tarantinos "grindhouse projekt" (planet terror & death proof) gedreht, kam "machete" derart gut beim publikum an, dass rodriguez nicht anders konnte, als den film zum trailer nachzuliefern.

doch ist "machete" abseits der abgeschlagenen köpfe und wippenden brüste nur plumpe story? ja, aber nicht nur! denn rodriguez greift auf seine ganz eigene weise auch die us-amerikanische sozialkrise der unzähligen illegalen latinos auf. dokumentarisch und seriös ist das sicher nicht. überdreht und bösartig schon eher. auch deswegen bekommt "machete" von fäustchen "die goldene faust" überreicht.