"jünge, jünge. isch glob isch werd nüsch mehr. das sinn jo züstände hior!" ronny blickte sich im stadionrund um. ronny war aus rostock ja schon einiges gewöhnt und auch am abend zuvor, war 36 km nördlich vom böllenfalltor, nicht minder was los gewesen. nichtsdestotrotz war das, was ihm an diesem samstag geboten wurde, schon leicht skurril. grade mal 250-300 münsteraner hatten sich im inzwischen bestens gesicherten gästeblock eingefunden und saßen meist gelangweilt, oftmals sogar zutiefst gefrustet ob der erfahrenen repression, auf den stehplatzstufen des altehrwürdigen stadions. da vier zäune den gästeblock vom heimbereich trennten, wären ordnungskräfte kaum mehr nötig gewesen, um des ablauf eines fussballspiels zu gewährleisten, meinte ronny. schließlich sorgten auch knapp 20% gesperrte stadionkapazität für den nötigen abstand zu den angrenzenden blöcken. aber da hatte er die rechnung nicht mit der darmstädter polizei gemacht. die hatte jedenfalls groß aufgefahren. eine beweissicherungs- und festnahme einheit lehnte gelangweilt in einem der pufferblöcke, eine andere bfe sicherte die 400 neuinstallierten sitzplätze gegen die mögliche zerstörungswut der 14 aufpreiszahlenden preußenanhänger. auf der laufbahn vor der gegengerade, riegelte ein dutzend ordner das ganze zusätzlich zum spielfeld ab. von der grasenden pferdestaffel auf der lichtwiese wusste er da noch gar nichts. "mike, schau dir dos an! do war ja die ddr nen freiheitsstaat gehschen." da hatte ronny nicht ganz unrecht, aber das war ja auch kein adäquater vergleich. das hier war schließlich fussball. was war da schon die große politik gegen.
gehört wird: scorpions - wind of change

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